Die Geschichte des Schutzhauses

Die Eröffnung der Bahnlinie Leobersdorf-St. Pölten brachte einen touristischen Aufschwung für das Hocheck, das wegen seiner herrlichen Aussicht bald sehr beliebt war. Leider behinderte der Baumbestand die Aussicht nach dem Osten, so daß sich der Grundbesitzer am Hocheckgipfel, Herr Dr. v. Rappapert entschloß, eine Warte zu errichten. Vom Gastwirt Johann Kietreiber und der alpinen Gesellschaft „D’Lackenhofer“, einer Teilorgansiation des ÖTK, tatkräftig unterstützt, wurde nicht nur ein markierter Weg angelegt, sondern auch die Warte fertiggestellt, die am 10. Juli 1881 von der Zentrale des ÖTK feierlich eröffnet wurde. Die Warte wurde nach Dr. v. Rappaports Frau „Franziskawarte“ benannt. Zwischen den Stützen wurde eine kleine Hütte von wenigen Quadratmetern erbaut und von Gastwirt Kietreiber so etwas wie eine Bewirtschaftung vorgenommen, was jedoch den Ansprüchen bald nicht mehr genügte.

Franziskawarte
Franziskawarte

Mit der Gründung der Sektion Triestingtal des ÖTK 1883 begann nicht nur die Gangbarmachung der Steinwandklamm, die Markierung der vielen Wanderwege, sondern auch die Betreuung des Hochecks. Zwar wurde in der Zwischenzeit eine „Alpine Gesellschaft d’Hochecker“ gegründet, die Gutsverwaltung betraute jedoch den ÖTK mit der Wartung.
1888 war die Warte bereits reparaturbedürftig. Sie wurde gründlich überholt und den Damen zuliebe wegen der langen engen Röcke mit niedrigeren Stufen versehen. Auch der Holzfußboden der Hütte wurde wegen Feuergefahr durch einen aus Sandstein ersetzt. Johann Kietreiber bewirtschaftete nun an jedem Sonn- und Feiertag die kleine Hütte. Ein gut markierter Weg führte durch den Rohrbachgraben auf die Prinzenwiese und von da über einen Fahrweg zur Markierung, die von Altenmarkt kommt. Da dieser Weg durch Grundstücke mehrerer Besitzer führte, wurde mit Erlaubnis von Franz Krenn über dessen Grundstück ein neuer nach ihm benannter Weg angelegt.

Bereits 1895 mußte an der Warte eine neuerliche Generalreparatur vorgenommen werden. Ein Fonds wurde zum Bau einerneuen Warte angelegt und diese um 433 Gulden und 10 Kreuzer errichtet. Durch die Zunahme der Touristik wurde die errichtete Hütte bald zu klein.
Es wurde der Beschluß gefaßt, eine größere Schutzhütte zu bauen und nach zehnmonatiger Bauzeit konnte am 20. J uli 1903 eine neue Hütte im Blockstil ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie wurde nach dem amtierenden 1. Vorstand des ÖTK „Kaspar-Geitner-Haus“ benannt wo nicht nur ein beheizbarer Raum, sondern auch ein Keller und unter dem Dach ein Schlafraum vorhanden waren. Sogar eine Terrasse war angebaut. Karl Kohaut aus Altenmarkt übernahm die Versorgung der Hütte, ein Jahr später Eduard Grünner, der dann
1906 erster Pächter auf dem Hocheck wurde. Bereits 1904 war die Hütte über den Winter an Sonn- und Feiertagen, die restliche Zeit täglich bewirtschaftet . Damals zählte man 2000 Jahresbesucher. Wie bekannt das Hocheck war, zeigt, daß schon 1906 einem Josef Böck die Konzession für eine Zahnradbahn auf das Hocheck bewiligt wurde. Da sie innerhalb der vorgeschriebenen Jahresfrist nicht ausgenützt wurde, verfiel sie.

Kaspar-Geitner-Haus

Durch die stark steigenden Besucherzahlen war die Hütte bald zu klein und man entschloß sich zum Bau eines neuen Hauses, welches am 1. September 1907 eröffnet wurde. Die Finanzierung desselben erfolgte durch Ausgabe von Anteilscheinen zu 10 und 20 Kronen, deren Rückzahlung jährlich verlost wurde. Die Baukosten betrugen insgesamt 23.000 Kronen. Der Baugrund wurde von Franz Krenn, der die Sektion immer unterstützte, billig erworben. Dr. Engelhardt, Nachfolger von Dr. Rappapert stellte noch 1000 m~ Grund zur Verfügung, damit man rund um das Haus Tische und Bänke aufstellen und einen Alpengarten anlegen konnte. Die alte Hütte wurde seitwärts verschoben und diente dann als Stall. Den im neuen Haus eingerichteten Schlafraum teilte man später in 4 Zimmer auf. 1911 wurde das Haus durch einen Zubau auf den doppelten Fassungsraum erweitert und war eines der schönsten Schutzhäuser des ÖTK. 1913 kaufte die Sektion weiteren Grund, die Hocheckwiese. Ein
ebensolches Stück erwarb der Weißenbacher Gemeindearzt Dr. Hugo Mühmler, dessen Erben, die Geschwister Johanna und Kurt Mühmler, überließen ihr Besitzrecht 1976 kostenlos der Sektion. Als Dank für diese Großzügigkeit wurden beide zu Ehrenmitgliedern ernannt. Dem Pächter Grünner folgte Pächter Wagner, dann übernahm Hans Cischek die Bewirtschaftung. Es kam der Krieg und das Interesse an der Touristik schwand. Die Warte war dem Verfall preisgegeben. Als die Situation nach dem Krieg besser wurde, baute Zimmermeister Rehwald eine neue Warte und diese wurde am 30. September
1923 anläßlich des 40jährigen Bestehens der Sektion feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Die Notzeiten nach dem Krieg bewirkten, daß nun die Zimmer weniger, dafür aber die großen Schlafräume mehr gefragt waren. Die Sektion entschloß sich daher, den freien Raum unter der Terrasse zu einem Schlafraum auszubauen. Die Eröffnung fand am 8. Mai 1927 statt. Zu dieser Zeit wurde auch der Hocheckgipfel als Vermessungspunkt bestimmt. Mitte der zwanziger
Jahre wurde Pächter Cischek von P ächter Buchinger abgelöst, dem das Ehepaar Draxler folgte. Dessen Nachfolger waren Sebastian Graf und Jakob Scharr, der bis Kriegsende blieb. Während des zweiten Weltkrieges wurde abseits des Hauses ein neuer Vermessungsturm errichtet, der im Krieg Zielpunkt war. In
den letzten Kriegstagen wurde das Schutzhaus in Brand gesetzt. Übrig blieb nur der beschädigte Turm, der dann für jene, die sich getrauten ihn zu besteigen, als Aussichtsturm fungierte, und zwar noch ein Jahrzehnt. Bereits 1946 wurde unter Vorstand Anton Kral mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen, das als Provisorium gedacht war. Schon 1947 wurde es eröffnet und vom Ehepaar Ednitsch bewirtschaftet.
Sektionsmitglieder errichteten zu Ehren ihrer gefallenen Kameraden unterhalb des Gipfels eine 1953 geweihte Kapelle.

Mangels finanzieller Mittel konnte an einen Neubau nicht mehr gedacht werden und so wurde die provisorische Hütte durch Zubau eines großen Gastraumes, einer Schank und sieben Zimmern nebst Terrasse erweitert. 1955 begonnene Arbeiten gingen rasch voran, sodaß anläßlich der 75-Jahr-Feier am 14. September 1958 die Eröffnung vorgenommen werden konnte.

1960 stellte das Bundesvermessungsamt den baufälligen Turm der Sektion zur Verfügung. Er wurde abgetragen und das Holz für Reparaturarbeiten in der Steinwandklamm verwendet. 1963 verließ der Pächterehepaar Ednitsch aus Altersgründen das Hocheck, neuer Pächter wurde Hans Hörmann. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurden die Innenräume des Hauses umgestaltet und auch die sanitären Anlagen verbessert. 1966 wurde die Terrasse auf 120 m2 vergrößert. Das Hocheck erfreute sich schon früher großer Beliebtheit als Schiberg, dann umso mehr, als man es nach Errichtung der Straße mit dem Auto bequem erreichen konnte. Deshalb entschloß sich der Besitzer des Grundes auf der Further Seite, Herr Nagl, zur Errichtung eines kleinen Schleppliftes, der bald viel Anklang fand, so daß zur Entlastung ein zweiter, größerer installiert wurde. 1967 wurde die bisherige Terrasse zu einer Veranda umgestaltet, die Terrasse selbst vergrößert. Das 1958 errichtete Dach war ein Satteldach. Um ein Abrutschen der Schneemassen auf das Verandadach zu verhindern, wurde das talseitige Dach gehoben, so daß ein Pultdach entstand. Der gewonnene Mehrraum dient zum Ausbau von Zimmern. Im Mai 1970 kündigte Hans Hörmann den Pachtvertrag und Hermann Kerschenbauer übernahm mit Mutter und Schwester den Gastbetrieb.
Im selben Jahr wurde der Bau einer neuen Warte beschlossen. Ein Zementziegelbau wurde vom Gebietsbauamt nicht bewilligt, die vorgeschriebenen Natursteine überstiegen die Mittel der Sektion. So entschied man sich für die Errichtung einer Holzwarte. Der Bau wurde durch Geldspenden aus dem Triestingtal, einer Landessubvention und Holzspenden tatkräftig unterstützt. Am 8. September 1974 wurde die neue Aussichtswarte geweiht und zu Ehren des leider inzwischen verstorbenen langjährigen Vorstandes Franz Meyringer „Meyringerwarte“ benannt.
Seit dem Winter 1981/82 ist die Mautstraße ohne Schneeräumung und daher gesperrt. Auch der Liftbetrieb wurde eingestellt. Dadurch ist zwar die Besucherzahl zurückgegangen, aber wie alles Negative hat auch das seine gute Seite – dem wahren Bergfreund wurde ein Stück beschauliche Winternatur zurückgegeben.